Oberschule Sögel

Nur ein Koffer blieb übrig

Zur Reichspogromnacht: Eindrucksvolles Gedenken an jüdische NS-Opfer in Sögel

Sögel. Eindrucksvoll ist am Freitagvormittag in der Aula des Hümmling-Gymnasiums in Sögel der jüdischen NS-Opfer anlässlich der Reichspogromnacht vor 79 Jahren gedacht worden.

Verantwortlich für die Durchführung der knapp einstündigen Gedenkfeier war in diesem Jahr die Schule am Schloss. Mit einer bedrückenden Darstellung erinnerten dabei einige Schüler mit schwarzer Kleidung und gelbem Stern an das Leben von acht aus Sögel stammenden Juden, die während der Gewaltherrschaft der Nazis im Zweiten Weltkrieg in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. Sinnbildlich für jedes Leben stand während der Aufführung ein Koffer, der am Ende übrig blieb. „Sie alle hatten noch so viele Träume“, betonten die Schüler zum Abschluss.

Für jedes ausgelöschte Leben zündeten sie eine Kerze an und stellten diese neben die Koffer. Gedacht wurde dabei an Joseph Jacobs, David Jacobs, Emilie Jacobs, Fritz Josef Jacobs, Daniel Jacobs, Julie Meyer, Helene Sax und Rudolf Sax, die allesamt am Markt 15 in Sögel wohnten. Die meisten von ihnen wurden nach Riga in das heutige Lettland deportiert, wo sie den Tod fanden.

Bürgermeisterin Irmgard Welling (CDU) erinnerte in ihrer Rede an die Geschichte der Juden in Sögel. Nach ihren Worten zählte die jüdische Gemeinde in der Hümmlinggemeinde im Laufe des 19. Jahrhunderts etwa 50 Menschen. Mit dem Bau der Synagoge wurde 1839 begonnen. Knapp 100 Jahre später wurde laut Welling das Leben der Juden in Deutschland und somit auch in Sögel immer schwieriger. Am Morgen des 10. November 1938 wurde im Zuge der Reichspogromnacht die Synagoge angezündet, die daraufhin niederbrannte.

Thora gerettet

Wie Welling weiter ausführte, brachte ein Nachbar der Familie Knipper dabei die Thora aus der Synagoge in Sicherheit. Unter Lebensgefahr habe er diese in seinem Haus verwahrt, bis er die Thora später an die Überlebenden der jüdischen Familie Grünberg aushändigte. Die Thora befindet sich nach Angaben der Bürgermeisterin heute in der Synagoge in Osnabrück. Die in der Aula unter den Besuchern weilende Ruth Grünberg bedankte sich bei allen Beteiligten für die Gedenkfeier.

In Gedenken an die Pogromnacht und an die verfolgten und ermordeten Juden werden Welling zufolge seit November 2011 sogenannte Stolpersteine verlegt.

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